Sichern mit dem Tuber
Der Tuber verzeiht keine Fehler — die gesamte Bremswirkung kommt aus deiner Bremshand. Hier das Bremshandprinzip, die drei Einnehm-Methoden und die typischen Fehler.
Warum überhaupt Tuber?
Für Halle und Klettergarten empfiehlt der DAV Halbautomaten (Smart, Grigri & Co.) — sie blockieren bei einem Sturz mit und verzeihen dadurch eher einen Fehler.
Im Mehrseillängenbereich sind Tube und HMS aber weiterhin die Standardgeräte: Sie sind leicht, funktionieren mit zwei Seilsträngen, taugen zum Abseilen und sichern den Nachsteiger direkt vom Stand. Genau deshalb gilt laut DAV: Die Tuber-Handhabung muss vorher in der Halle und im Klettergarten intensiv trainiert werden.
Die zwei Kernregeln
- 1Bremsseil nie loslassen.
- 2Bremshand bleibt unterhalb des Geräts.
Das Bremshandprinzip

Der Tuber hat keine Blockierunterstützung — die gesamte Bremswirkung entsteht durch Reibung, die deine Bremshand am Bremsseil erzeugt. Deshalb gilt ausnahmslos:
- Eine Hand umschließt immer das Bremsseil — in jeder Phase des Sicherns, ohne Ausnahme.
- Das Bremsseil ist das Seil, das vom Sicherungsgerät nach unten läuft.
- Das Bremsseil wird nach unten gehalten — die Bremshand bleibt unterhalb des Geräts.
- Im Sturzfall fixiert die Bremshand das Bremsseil und geht nach unten. Die Führungshand kann zusätzlich mit ans Bremsseil greifen.
Die drei Einnehm-Methoden
Nach Petzl-Lehrbuch — für alle drei gilt: Das Bremsseil bleibt immer von der Hand umschlossen.
Sichern in 5 Schritten
TopropeNur fürs Toprope-Sichern — funktioniert ausschließlich, wenn das Seil zum Kletterer gestrafft ist.
- 1Einziehen: Führungshand zieht das Kletterseil nach unten, Bremshand zieht das Seil gleichzeitig durch das Gerät.
- 2Bremsen: Bremsseil sofort wieder nach unten in Bremsposition führen.
- 3Umgreifen: Führungshand greift unterhalb der Bremshand ans Bremsseil.
- 4Nachrutschen: Bremshand rutscht am Seil nach oben Richtung Gerät — ohne loszulassen.
- 5Zurück: Führungshand wieder ans Kletterseil, Ausgangsposition.
Tunneln
Viel Seil, schnellWenn schnell viel Seil eingezogen werden muss oder das Seil zum Kletterer nicht gestrafft ist — typisch beim Vorstieg (z. B. beim Clippen).
- 1Beide Hände arbeiten wechselseitig am Bremsseil und ziehen es durch das Gerät.
- 2Die Bremshand „tunnelt“ dabei am Seil entlang: Sie öffnet sich nur so weit, dass das Seil durch die Hand gleitet.
- 3Nach dem Einziehen sofort zurück in die Bremsposition unterhalb des Geräts.
Die Bremshand gleitet am Seil — sie darf es aber zu keinem Zeitpunkt loslassen.
PBUS
Pull – Brake – Under – SlideKombination aus beiden Techniken — der international gelehrte Standard fürs Toprope-Einholen.
- 1Pull: Führungshand zieht das Kletterseil ein, Bremshand zieht durch das Gerät.
- 2Brake: Bremsseil nach unten in Bremsposition.
- 3Under: Führungshand greift unterhalb der Bremshand ans Bremsseil.
- 4Slide: Bremshand gleitet nach oben ans Gerät — ohne loszulassen — und die Führungshand geht zurück ans Kletterseil.
Zu jeder Methode gibt es ein kurzes Demo-Video im Petzl-Tech-Tipp „Seil einziehen“.
Richtig Sichern mit dem Tube
Das DAV-Schulungsvideo zeigt die komplette Bedienung — Ausgeben, Einnehmen, Ablassen und die klassischen Fehler.
Vorsicht — typische Fehler
- Bremshand oberhalb des Geräts — dort entsteht keine Bremswirkung.
- Bremsseil loslassen, auch nur für einen Moment beim Umgreifen.
- Bremsseil nach oben statt nach unten halten — der Winkel zwischen Führungs- und Bremsseil muss deutlich größer als 90° sein.
- Zu viel Schlappseil, besonders wenn die kletternde Person noch in Bodennähe ist.
- Beim Ablassen das Seil nur locker durch die offene Hand laufen lassen.
- Zu weit weg von der Wand stehen oder abgelenkt sichern.
Mehr davon in Bewegtbild? Alle Videos der Serie unter Lernvideos →
Quellen: DAV-Sicherungsgeräte-Empfehlung, Petzl „Sicherungstechnik: Seil einziehen“ und Alpenverein Südtirol „Das Bremshandprinzip“.