Standplatzbau
Das Motto: Optimal statt nur okay! Der Standplatz ist die Lebensversicherung der Seilschaft — hier die zwei Standardfälle in modernen Plaisirrouten, dazu Selbstsicherung und Seilversorgung.
Standplatzbau — Standplatzlogik
Die Standplatzlogik in der Praxis — sinnvolle Ergänzung zu den DAV-Illustrationen unten.
Video © Altiora Climbing — auf YouTube ansehen ↗
Standplatz an einem soliden Fixpunkt

- Geklebter oder einzementierter Ringhaken: Selbstsicherung per Mastwurf mit dem Kletterseil und Verschlusskarabiner direkt im Ring.
- Partnersicherung mit weiterem Verschlusskarabiner daneben in den Ring.
- Rechts-links-Trennung: Geht die Route nach rechts weiter, kommt die Partnersicherung rechts der Selbstsicherung — geht es links weiter, links davon.
- Bühler ohne Ring: Ein möglichst großer Verschlusskarabiner „ersetzt“ den Ring. Der geschlossene Schenkel (ohne Verschluss) zeigt in die weitere Kletterrichtung.
- Bei Wechselführung kann die Selbstsicherung direkt in den ersten Karabiner und die Partnersicherung an dessen geschlossenen Schenkel.
- Räumliche Trennung von Selbst- und Partnersicherung hilft besonders am Hängestand, die HMS-Sicherung ungehindert zu bedienen.
Standplatz an zwei Fixpunkten (Reihenschaltung)

- Prinzip Reihenschaltung: Versagt ein Fixpunkt, greift sofort der nächste — der Zentralpunkt liegt am tieferen Fixpunkt, beide Punkte ohne Schlappseil verbunden. An soliden Bohrhaken die DAV-Basismethode.
- An fraglichen Punkten (Normalhaken, mobiles Material): Kräfteverteilung statt nur Reihenschaltung — Last auf mehrere Punkte teilen.
- Üblich an zwei Bohrhaken: vorbereitete Bandschlinge mit doppeltem Bulinauge. Auge mit Verschlusskarabiner in den unteren, freies Ende in den oberen Fixpunkt.
- Mit Sackstich die Schlinge so verkürzen, dass beide Punkte eng verbunden sind — das Bulinauge dabei nicht nach oben ziehen.
- Selbstsicherung per Mastwurf im Auge oder im unteren Schrauber (räumliche Trennung), Partnersicherung (HMS) ins Auge — auf rechts-links-Trennung achten.
- Bei Wechselführung: Reihenschaltung mit dem Kletterseil, beide Fixpunkte per Mastwurf verbinden. Partnersicherung in den unteren Verschlusskarabiner, geschlossener Schenkel zeigt in die Kletterrichtung.
HMS am Stand — wo und wie
Die Partnersicherung hängt am Seilstrang, an dem der Kletternde hängt — dort kommt der Schlag an. Karabiner-Orientierung und Bremsseite entscheiden mit, ob das Gerät im Sturz frei bleibt.
- HMS auf den Strang, an dem der Kletternde hängt — nicht auf den „leeren“ Strang daneben.
- Kletterrichtung: Nachsteiger-Karabiner in die neue Richtung einhängen. Der geschlossene („gesunde“) Schenkel zeigt in die Kletterrichtung.
- Schnelle Standmethode mit Kletterseil: Nachsteiger-Karabiner mit dem Verschluss zur Wand. Wird er im Sturz nach oben gezogen, liegt der Verschluss frei und wird nicht gegen den Fels gepresst.
- HMS-Bremsseite am gesunden Schenkel — die Bremse läuft über die massive Seite, nicht über den Schnapper.
Tuber in Plattenfunktion zum Ablassen des Nachsteigers: Abseilen →
Selbstsicherung
- Standard: Mastwurf im Schraubkarabiner — die Länge ist anpassbar, ohne das System zu öffnen. Die Selbstsicherung immer leicht auf Zug halten.
- Bei zwei Seilsträngen beide Seile parallel in den Karabiner hängen — verhindert Verknotungen.
- Bandschlinge am Anseilring ist in der Länge unflexibel und muss beim Klettern verstaut werden — nicht zu empfehlen. Wenn Schlinge, dann anpassbare Systeme aus Kernmantelmaterial.
Fixpunkt- statt Körpersicherung
Laut DAV: Partnersicherung mit HMS vom Fixpunkt ist die Standardmethode für alpine Lagen. Der Körper ist dann nicht Teil der Sicherungskette — und im Notfall kannst du freier handeln. Körpersicherung nur, wenn wirklich alle Punkte passen:
- Sturzzug erfolgt gerade nach oben — erste Zwischensicherung nicht seitlich vom Stand.
- Gewichtsunterschied maximal 5–10 kg (DAV-Kriterium).
- Keine Hindernisse (Dächer, Kanten) über dem Stand — Anprallgefahr.
- Wer sichert, hängt sich mindestens 1,5 m unter den Stand (lange Selbstsicherung).
- Kein Standsturz / Faktor-2 in den Körper: Plus-Clip oder Dummyrunner am Stand, bevor der Vorsteiger losklettert.
- Erfahrung mit Stürzen über den Körper — sonst immer Fixpunktsicherung.
Sturzfaktor — warum der Stand heikel ist
- Sturzfaktor ≈ Sturzweg ÷ ausgegebenes Seil. Je höher der Faktor, desto härter der Fangstoß.
- Am Stand ohne Umlenkung kann ein Sturz bis Faktor 2 wirken — das ist die maximale Belastung in der Praxis.
- Deshalb: Fixpunktsicherung (Gerät am Stand) bzw. bei Körpersicherung immer Plus-Clip/Dummyrunner als erste Umlenkung.
Seilmanagement am Stand
Wie das Seil am Stand liegt, hängt von der Führungsart ab: Bei Wechselführung und Raupenführung passen unterschiedliche Methoden — die falsche Kombination kostet Zeit und nervt.
Wechselführung
Vor- und Nachsteiger wechseln sich an der Spitze ab.
Raupenführung
Ein Kletterer führt mehrere Seillängen hintereinander.
| Führung | Haufenoder StandSack | Lang zu kurz | Kurz zu lang | Neu ziehen |
|---|---|---|---|---|
| Wechselführung(W) | ✓ | ✓ | ✗ | ✗ |
| Raupenführung(R) | ✓ | ✗ | ✓ Flippen möglich — besser neu durchziehen | ✓ Vom Partner- zum eigenen Seilstrang |
Fazit
Wechselführung
- 1. Wahl: Haufen
- 2. Wahl: Lang zu kurz
Fazit
Raupenführung
- 1. Wahl: Haufen
- 2. Wahl: Neu ziehenVom Partner- zum eigenen Seilstrang
Haufen(oder StandSack)
Seil Schlaufe für Schlaufe in einem kompakten Haufen ablegen — bei genug Platz (Absatz, Band) oder im StandSack. Bei Wechselführung läuft es von oben perfekt ab.
Lang zu kurz
Am Hängestand Schlaufen hängen lassen: mit langen Schlaufen anfangen, jede weitere ca. 0,5 m kürzer. So verfangen sich die Schlaufen nicht.
Kurz zu lang
Schlaufen werden von kurz nach lang aufgebaut. Flippen ist möglich — besser ist es aber, das Seil neu durchzuziehen.
Neu ziehen
Seil komplett durchziehen, sobald die Sicherung am Stand eingelegt ist. Bei Raupenführung vom Partner- zum eigenen Seilstrang.
Seilmanagement-Matrix nach Swiss Power Jet (2022), ergänzt um DAV-Lehrmeinung zur Seilversorgung.
Seilversorgung — Kurzfassung
- Vor dem Start in die nächste Seillänge das Seil immer entwirren.
- Schlaufen über Füße oder Selbstsicherung legen ist nur bedingt zu empfehlen — besser nach jeder Schlaufe doppelten Sackstich machen und im Karabiner am Stand fixieren.
- Welche Methode passt, hängt von der Führungsart ab — siehe Seilmanagement-Matrix oben.
Vorsicht — das vermeiden
- Mehrere Karabiner in einer Hakenöse
- Überkreuz laufende Seile von Partner- und Selbstsicherung
- Seilschlingen, die sich verhängen oder Steinschlag auslösen können
- Unklare Seilkommandos oder -abläufe
- HMS auf dem falschen Strang — der Schlag kommt dort an, wo der Kletternde hängt
- Schnapper in Kletterrichtung / gegen den Fels, statt gesunder Schenkel
Steht der Stand, geht es weiter mit den Seilkommandos →
Inhalte und Illustrationen (Georg Sojer) aus dem DAV-Panorama-Artikel „Standplatzabläufe in Mehrseillängenrouten“ von Max Bolland (Ausgabe 5/2024).