Klettern.
Cheat Sheet · Mehrseillängen

Standplatzbau

Das Motto: Optimal statt nur okay! Der Standplatz ist die Lebensversicherung der Seilschaft — hier die zwei Standardfälle in modernen Plaisirrouten, dazu Selbstsicherung und Seilversorgung.

Video

Standplatzbau — Standplatzlogik

Die Standplatzlogik in der Praxis — sinnvolle Ergänzung zu den DAV-Illustrationen unten.

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Variante 1

Standplatz an einem soliden Fixpunkt

Drei Varianten der Selbst- und Partnersicherung an einem einzelnen Bohr- bzw. Ringhaken
Bei einem einfachen Klebehaken ersetzt ein Verschlusskarabiner den Ring. In einen Ringhaken kommen zwei Verschlusskarabiner für Selbst- und Partnersicherung. Illustration: Georg Sojer (DAV) Originalartikel
  • Geklebter oder einzementierter Ringhaken: Selbstsicherung per Mastwurf mit dem Kletterseil und Verschlusskarabiner direkt im Ring.
  • Partnersicherung mit weiterem Verschlusskarabiner daneben in den Ring.
  • Rechts-links-Trennung: Geht die Route nach rechts weiter, kommt die Partnersicherung rechts der Selbstsicherung — geht es links weiter, links davon.
  • Bühler ohne Ring: Ein möglichst großer Verschlusskarabiner „ersetzt“ den Ring. Der geschlossene Schenkel (ohne Verschluss) zeigt in die weitere Kletterrichtung.
  • Bei Wechselführung kann die Selbstsicherung direkt in den ersten Karabiner und die Partnersicherung an dessen geschlossenen Schenkel.
  • Räumliche Trennung von Selbst- und Partnersicherung hilft besonders am Hängestand, die HMS-Sicherung ungehindert zu bedienen.
Variante 2

Standplatz an zwei Fixpunkten (Reihenschaltung)

Reihenschaltung zweier Bohrhaken — links mit dem Kletterseil und Mastwürfen, rechts mit Bandschlinge und doppeltem Bulinauge
Die Fixpunkte werden mit dem Seil und Mastwürfen (links) oder einer Bandschlinge mit doppeltem Bulinauge verbunden. Illustration: Georg Sojer (DAV) Originalartikel
  • Prinzip Reihenschaltung: Versagt ein Fixpunkt, greift sofort der nächste — der Zentralpunkt liegt am tieferen Fixpunkt, beide Punkte ohne Schlappseil verbunden. An soliden Bohrhaken die DAV-Basismethode.
  • An fraglichen Punkten (Normalhaken, mobiles Material): Kräfteverteilung statt nur Reihenschaltung — Last auf mehrere Punkte teilen.
  • Üblich an zwei Bohrhaken: vorbereitete Bandschlinge mit doppeltem Bulinauge. Auge mit Verschlusskarabiner in den unteren, freies Ende in den oberen Fixpunkt.
  • Mit Sackstich die Schlinge so verkürzen, dass beide Punkte eng verbunden sind — das Bulinauge dabei nicht nach oben ziehen.
  • Selbstsicherung per Mastwurf im Auge oder im unteren Schrauber (räumliche Trennung), Partnersicherung (HMS) ins Auge — auf rechts-links-Trennung achten.
  • Bei Wechselführung: Reihenschaltung mit dem Kletterseil, beide Fixpunkte per Mastwurf verbinden. Partnersicherung in den unteren Verschlusskarabiner, geschlossener Schenkel zeigt in die Kletterrichtung.
Partnersicherung

HMS am Stand — wo und wie

Die Partnersicherung hängt am Seilstrang, an dem der Kletternde hängt — dort kommt der Schlag an. Karabiner-Orientierung und Bremsseite entscheiden mit, ob das Gerät im Sturz frei bleibt.

  • HMS auf den Strang, an dem der Kletternde hängt — nicht auf den „leeren“ Strang daneben.
  • Kletterrichtung: Nachsteiger-Karabiner in die neue Richtung einhängen. Der geschlossene („gesunde“) Schenkel zeigt in die Kletterrichtung.
  • Schnelle Standmethode mit Kletterseil: Nachsteiger-Karabiner mit dem Verschluss zur Wand. Wird er im Sturz nach oben gezogen, liegt der Verschluss frei und wird nicht gegen den Fels gepresst.
  • HMS-Bremsseite am gesunden Schenkel — die Bremse läuft über die massive Seite, nicht über den Schnapper.

Tuber in Plattenfunktion zum Ablassen des Nachsteigers: Abseilen →

Selbstsicherung

  • Standard: Mastwurf im Schraubkarabiner — die Länge ist anpassbar, ohne das System zu öffnen. Die Selbstsicherung immer leicht auf Zug halten.
  • Bei zwei Seilsträngen beide Seile parallel in den Karabiner hängen — verhindert Verknotungen.
  • Bandschlinge am Anseilring ist in der Länge unflexibel und muss beim Klettern verstaut werden — nicht zu empfehlen. Wenn Schlinge, dann anpassbare Systeme aus Kernmantelmaterial.

Fixpunkt- statt Körpersicherung

Laut DAV: Partnersicherung mit HMS vom Fixpunkt ist die Standardmethode für alpine Lagen. Der Körper ist dann nicht Teil der Sicherungskette — und im Notfall kannst du freier handeln. Körpersicherung nur, wenn wirklich alle Punkte passen:

  • Sturzzug erfolgt gerade nach oben — erste Zwischensicherung nicht seitlich vom Stand.
  • Gewichtsunterschied maximal 5–10 kg (DAV-Kriterium).
  • Keine Hindernisse (Dächer, Kanten) über dem Stand — Anprallgefahr.
  • Wer sichert, hängt sich mindestens 1,5 m unter den Stand (lange Selbstsicherung).
  • Kein Standsturz / Faktor-2 in den Körper: Plus-Clip oder Dummyrunner am Stand, bevor der Vorsteiger losklettert.
  • Erfahrung mit Stürzen über den Körper — sonst immer Fixpunktsicherung.

Sturzfaktor — warum der Stand heikel ist

  • Sturzfaktor ≈ Sturzweg ÷ ausgegebenes Seil. Je höher der Faktor, desto härter der Fangstoß.
  • Am Stand ohne Umlenkung kann ein Sturz bis Faktor 2 wirken — das ist die maximale Belastung in der Praxis.
  • Deshalb: Fixpunktsicherung (Gerät am Stand) bzw. bei Körpersicherung immer Plus-Clip/Dummyrunner als erste Umlenkung.
Seilversorgung

Seilmanagement am Stand

Wie das Seil am Stand liegt, hängt von der Führungsart ab: Bei Wechselführung und Raupenführung passen unterschiedliche Methoden — die falsche Kombination kostet Zeit und nervt.

W

Wechselführung

Vor- und Nachsteiger wechseln sich an der Spitze ab.

R

Raupenführung

Ein Kletterer führt mehrere Seillängen hintereinander.

FührungHaufenoder StandSackLang zu kurzKurz zu langNeu ziehen
Wechselführung(W)
Raupenführung(R)

Flippen möglich — besser neu durchziehen

Vom Partner- zum eigenen Seilstrang

Fazit

Wechselführung

  1. 1. Wahl: Haufen
  2. 2. Wahl: Lang zu kurz

Fazit

Raupenführung

  1. 1. Wahl: Haufen
  2. 2. Wahl: Neu ziehenVom Partner- zum eigenen Seilstrang

Haufen(oder StandSack)

Seil Schlaufe für Schlaufe in einem kompakten Haufen ablegen — bei genug Platz (Absatz, Band) oder im StandSack. Bei Wechselführung läuft es von oben perfekt ab.

Lang zu kurz

Am Hängestand Schlaufen hängen lassen: mit langen Schlaufen anfangen, jede weitere ca. 0,5 m kürzer. So verfangen sich die Schlaufen nicht.

Kurz zu lang

Schlaufen werden von kurz nach lang aufgebaut. Flippen ist möglich — besser ist es aber, das Seil neu durchzuziehen.

Neu ziehen

Seil komplett durchziehen, sobald die Sicherung am Stand eingelegt ist. Bei Raupenführung vom Partner- zum eigenen Seilstrang.

Seilmanagement-Matrix nach Swiss Power Jet (2022), ergänzt um DAV-Lehrmeinung zur Seilversorgung.

Seilversorgung — Kurzfassung

  • Vor dem Start in die nächste Seillänge das Seil immer entwirren.
  • Schlaufen über Füße oder Selbstsicherung legen ist nur bedingt zu empfehlen — besser nach jeder Schlaufe doppelten Sackstich machen und im Karabiner am Stand fixieren.
  • Welche Methode passt, hängt von der Führungsart ab — siehe Seilmanagement-Matrix oben.

Vorsicht — das vermeiden

  • Mehrere Karabiner in einer Hakenöse
  • Überkreuz laufende Seile von Partner- und Selbstsicherung
  • Seilschlingen, die sich verhängen oder Steinschlag auslösen können
  • Unklare Seilkommandos oder -abläufe
  • HMS auf dem falschen Strang — der Schlag kommt dort an, wo der Kletternde hängt
  • Schnapper in Kletterrichtung / gegen den Fels, statt gesunder Schenkel

Steht der Stand, geht es weiter mit den Seilkommandos →

Inhalte und Illustrationen (Georg Sojer) aus dem DAV-Panorama-Artikel „Standplatzabläufe in Mehrseillängenrouten“ von Max Bolland (Ausgabe 5/2024).